Andreas besiegt die Ängste - auch dank des Triathlons

14.05.2020 11:08 von Thorsten Eisenhofer

Als Andreas Donner am ersten August-Wochenende 2019 beim Jedermann-Rennen des Berlin City Triathlons das Ziel vor dem Olympiastadion erreicht, fühlt er sich wie ein kleiner Star. Das liegt weniger an seiner Zeit. Mit dieser ist Andreas eher im hinteren Drittel des Klassements zu finden. Das liegt eher daran, dass ihn im Ziel ein Reporter der Berliner Morgenpost interviewt. Seine Geschichte trage das Motto „Vom Pummel zum Triathleten“ diktiert er dem Journalisten in dessen Block.

Jener Tag, an dem Andreas seinen ersten Triathlon absolviert, ist ein ganz besonderer für ihn. Er ist nicht nur ein kleiner Star, sondern ein Gewinner. Und das nicht nur, weil er, um 26 Kilogramm erleichtert, im Sport angekommen zu sein scheint. Jener Tag ist auch deshalb ein ganz besonderer für ihn, weil er seine Ängste überwunden hat. Ängste, die ihn zuvor begleitet haben. Und so ist jener Tag am ersten August-Wochenende 2019 auch der Tag, an dem er wieder lächeln, wieder glücklich sein kann. „Der Zieleinlauf war wie eine Befreiung für mich“, sagt Andreas.

Rückblick: Es ist der erste Sonntag im Juli 2019. Andreas ist mit einem Freund Frühstücken. Während also ein vermeintlich ruhiger Sonntag beginnt, klingelt sein Handy. Der Anrufer teilt Andreas mit, dass der Brandmelder in seiner Ferienwohnung angegangen ist. Der 51-Jährige glaubt, dass er den Wasserkocher nicht ausgeschaltet hat – im Nachhinein wird sich herausstellen, dass er ihn zuvor ausgeschaltet hat. Er springt auf. Rennt zu seiner Ferienwohnung. Spurtet in den fünften Stock hoch. Er öffnet die Tür, sieht Feuer, sieht, dass der Herd brennt. Er schließt die Tür wieder. Öffnet sie erneut. In diesem Moment kommt das Feuer auf die Tür zu. Andreas schafft es gerade noch sich zu ducken und die Tür rechtzeitig zu schließen.

Andreas ist anschließend wie weggetreten. Er nimmt irgendwie wahr, dass die Feuerwehr kommt und den Brand löscht. Er nimmt auch wahr, dass er ungewollt im Mittelpunkt steht an diesem Tag, fühlt sich von den Nachbarn begafft. „Ich kam mir wie ein Looser vor“, sagt Andreas. Dieses „ein Looser sein“, nimmt er nicht nur irgendwie wahr, das fühlt er. Tief im Inneren.

Körperlich hat er durch das Feuer keine Schäden genommen, keine Rauchvergiftung erlitten - das bestätigt eine Untersuchung im Krankenhaus. Seelisch allerdings schon. „Ich hatte Schuld- und Schamgefühle“, sagt Andreas und fügt an: „Damit kam ich nicht klar.“ Das Feuer, der Schaden, die Schuldgefühle gegenüber der Vermieterin – das alles beschäftigt ihn. Mehr als ihm lieb ist.

Seinen Startplatz für den Berlin City Triathlon hat Andreas über ein Gewinnspiel der Deutschen Triathlon Union (DTU) erhalten. Die Freude darüber hielt sich anfangs in Grenzen. Andreas sucht vielmehr nach Ausreden, nicht antreten zu müssen. Kein passendes Rad, keine Unterkunft, irgendetwas ließe sich schon finden. Sein Leben ist zu jener Zeit (noch) sehr von Ängsten geprägt. „Ich hatte immer das Gefühl, nicht gut genug zu sein“, sagt Andreas. Er wog mal 120 Kilogramm. Auch das dürfte eine Rolle gespielt haben. Sportlich durchlebt er in den vergangenen zehn Jahren viele Aufs und Abs. Er macht Sport. Hört auf wegen einer Bein-Operation. Fängt wieder an. Nun hat er mit dem Triathlon eine stabile Basis gefunden, so hofft er. 2019 absolviert er nach dem Berlin City Triathlon noch zwei weitere Rennen. Weitere Wettkämpfe sollen folgen.

Erst in den Tagen nach dem Brand in der Ferienwohnung entwickelt Andreas langsam eine Jetzt-erst-Recht-Stimmung. Aus: ich will nicht teilnehmen, wird: ich will teilnehmen. Er hört auf, nach Ausreden zu suchen. „Im Endeffekt hat die Situation mit dem Brand vieles in mir gelöst. Ich habe Ängste abgebaut, traue mir nun mehr zu, bin selbstbewusster geworden“, sagt Andreas. Er lernt, dass kein Mensch fehlerfrei ist und er Fehler machen darf – und schafft es dadurch, aus einer eigentlich negativen Situation etwas Positives für sein Leben mitzunehmen.

Wenn er von seiner Premiere in Berlin erzählt, muss er zum Teil selbst schmunzeln. Zum Beispiel darüber, wie er vor dem Rennen von seinem 24 Jahre alten Fahrrad noch schnell den Ständer abschraubt („Der war total fest“). Oder wie er vor dem Rennen hin- und herhetzt, um es (gerade noch) rechtzeitig zu schaffen, einzuchecken. Und wie er vor Aufregung in der Nacht vor dem Rennen kaum schlafen kann. Doch spätestens im Ziel, da ist das alles vergessen. Da ist Andreas einfach nur glücklich.

Verletzungen oder Krankheiten haben dich erst recht angespornt, weiter aktiv zu sein? Du hast viel durchgemacht, aber der Triathlon hat dir immer Halt gegeben? Du hast eine spannende Geschichte, wie du zum Triathlon gekommen bist? Deine Geschichte sollten wir unbedingt kennen? Dann schreibe uns eine E-Mail an medien@dtu-info.de. Und vielleicht erscheint hier bald deine Geschichte.


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