Annika Koch - ein Steigerungslauf nach ganz oben

26.05.2020 08:34 von Thorsten Eisenhofer

An ihren ersten Triathlon kann sich Annika Koch noch ganz gut erinnern, zumindest an einzelne Momente des Rennens - auch wenn dieser erste Triathlon schon rund eineinhalb Jahrzehnte her ist. Sie fuhr damals ein kleines Puky-Fahrrad. Auf dem kleinen Puky-Fahrrad war hinten eine Fahne montiert. Auf der Radstrecke ihres ersten Triathlons überholte sie ein Junge mit einem Mountainbike. Er lachte Annika aus. Wegen der Fahne an ihrem Fahrrad. Annika ärgert sich darüber. Aber die Fahne blieb dran. Denn aufgrund dieser Fahne fand Annika dieses immer zielsicher in der Wechselzone. „Ich hatte früher immer Angst, dass ich mein Rad beim Wechsel nicht finde“, sagt sie. Und lacht. Lacht, weil sie selbst ein bisschen über diese Anekdote schmunzeln muss.

Diese Anekdote beschreibt eigentlich ganz gut das erste Jahrzehnt der Triathlonkarriere von Annika Koch. Es war ein Jahrzehnt, in dem der Spaß am Sport im Vordergrund stand. Ein Puky-Rad mit Fahne ist sicherlich nicht die beste Voraussetzung, um Rennen zu gewinnen. Und welche Platzierung sie in ihrem ersten Triathlon belegt hat, weiß Annika auch nicht.

Annika war schon immer ehrgeizig und wollte das bestmögliche Ergebnis erzielen. Natürlich. Über einen vierten Platz hat sie sich nicht unbedingt gefreut. Weder damals. Noch heute. Und ohne Eigenschaften wie diese wird man keine Leistungssportlerin. Aber im ersten Jahrzehnt ihrer Triathlonkarriere deutete nicht unbedingt viel darauf hin, dass sie mal eine der aktuell besten deutschen Triathletinnen wird. Ihre beiden älteren Brüder Olaf und Torben waren damals erfolgreicher – mittlerweile ist es andersherum. Annika hingegen ließ auch mal eine Trainingseinheit ausfallen, um sich mit einer Freundin zu treffen. „Triathlon war damals ein Hobby für mich, das nicht die allergrößte Priorität hatte“, sagt Annika. Vermutlich ist diese nicht so frühe Fokussierung auf den Leistungsgedanken eines der Erfolgsrezepte ihrer Entwicklung.

Ihr erster größerer Erfolg als Triathletin (bis dahin hatte sie schon viele Siege bei Straßenläufen geschafft) gelang ihr als 14-Jährige. Da wurde sie Hessenmeisterin in der Altersklasse weibliche Jugend B. Der richtige Weg vom Hobbysport zum Leistungssport begann dann zwei Jahre später, also vor rund fünf Jahren. Sie belegte bei ihrer ersten Teilnahme bei Deutschen Jugendmeisterschaften Rang sechs. 2016 gewann sie dann den Titel bei den Deutschen Duathlonmeisterschaften der Jugend A und startete erstmals bei einem Junioren-Europacup-Rennen. Im Jahr darauf folgte dann das erste internationale Podium.

Seitdem hat sie sich stetig entwickelt, jedes Jahr eine neue Entwicklungsstufe erklommen. Manchmal auch gleich zwei in einem Jahr. Ihre eigenen Erwartungen hat sie dabei stets übertroffen. So auch 2019, ihr erstes Jahr in der Elite. Da wollte sie es in Continental-Cup-Rennen in die Top 10 schaffen. Im Endeffekt stand sie dreimal auf dem Podium, zweimal davon ganz oben. Zudem startete die 21-Jährige erstmals im Weltcup und gewann bei der EM Silber im Mixed Relay.

Annika ist keine, die sich vor einer Saison ganz große Ziele setzt und diese dann in die Welt hinaus posaunt. Sie ist da eher das Gegenteil eines Lautsprechers, eines Großmauls. Sie setzt sich realistische Ziele - und lässt dann ihre Leistung sprechen. „Für mich ist es wichtig, meine gesetzten Ziele zu erreichen“, sagt Annika.

Trotzdem hat sie natürlich genaue Vorstellungen, wie ihre Karriere im Optimalfall verlaufen soll. Seit zwei Jahren, so sagt sie, ist ihr klar, wohin der Weg führen soll: nach ganz oben. Bei Rennen der World Triathlon Series (WTS) möchte sie vorne dabei sein, an Olympischen Spielen teilnehmen. „Ich habe damals gemerkt, es ist Zeit, alle Register zu ziehen“, sagt Annika. Seitdem trainiert sie richtig professionell, beschloss an einen Stützpunkt zu wechseln. Den Schritt ging sie im Frühjahr 2019 mit dem Umzug von Griesheim nach Saarbrücken.

Die Entscheidungen, welche Rolle der Sport in ihrem Leben spielt, traf sie immer selbst. Da wollte sie sich nicht fremdbestimmen lassen. So wie sie damals die rote Fahne an ihrem Puky-Fahrrad behalten hat, obwohl sie ein Junge deswegen auslachte.


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