Delia Blaess: Neuneinhalb-Stunde-Ritt auf der Rolle

20.05.2020 14:14 von Thorsten Eisenhofer

Delia Blaess, die für den TSV Amicitia Viernheim startet und auch Guide von Para-Athletin Lena Dieter ist, studiert für zwei Semester an der Universität im spanischen La Coruna. Während der siebenwöchigen Ausgangssperre aufgrund der Coronakrise ist sie für einen guten Zweck rund zehn Stunden auf der Rolle gefahren. Wir haben mit ihr über das Dauerradeln zu Hause, das Leben mit der Ausgangsperre und das Organisieren einer Rolle gesprochen.

Delia, neuneinhalb Stunden reine Fahrzeit, eine ziemliche Herausforderung.

Am Anfang hatte ich das Ziel, fünf Stunden zu fahren. Dann habe ich gedacht: ein bisschen mehr geht noch. Ich habe mir dann immer neue Ziele gesetzt. Zum Beispiel bin ich draußen noch nie mehr als 270 Kilometer gefahren. Das wollte ich übertreffen (Delia ist am Ende 306 Kilometer gefahren, Anm. d. Red.). Diese Zwischenziele haben mich immer weiter motiviert und so bin ich immer weitergefahren. Bis um 22.30 Uhr. Danach habe ich aufgehört, auch weil die Rolle sehr laut ist und ich die Nachbarn und meine Mitbewohner nicht vom Schlafen abhalten wollte. Und ich wollte es auch nicht übertreiben (lacht).

Danach warst du dann wahrscheinlich ziemlich kaputt?

Am nächsten Morgen bin ich um zehn Uhr nochmal für 1:15 Stunden auf die Rolle. Die Aktion lief ja noch bis 12 Uhr (Delia nahm zusammen mit ihrer spanischen Trainingsgruppe an einer 24-stündigen-Charity-Aktion teil, bei der jeder so viele Radkilometer wie möglich beitragen konnte. Die Spenden daraus gingen an örtliche Krankenhäuser, Anm. d. Red.). Ein bisschen kaputt war ich natürlich schon und hatte ein paar Schmerzen.

Hast du dann ein paar Tage Erholung gebraucht?

Nein. Während der Zeit der Ausgangssperre war ich jeden Tag auf der Rolle. Es hat mir geholfen, mich gut zu fühlen. Vor der Ausgangssperre habe ich noch nie auf einer Rolle trainiert und konnte mir auch nicht vorstellen, 200 Kilometer auf der Rolle zu fahren.

Du hattest also auch keine Rolle?

Nein. Jemanden zu finden, der für mich eine Rolle übrig hat, war super einfach. Aus meiner Trainingsgruppe hatte jemand zwei Rollen und hat gesagt, dass ich seine Ersatzrolle haben kann. Es war nur nicht so einfach, sie zu mir zu bringen.

Weil dann die Ausgangssperre galt.

Jemand hat sie im letzten Moment auf dem Weg zur Arbeit bei mir abgeliefert. Kurz danach ging nichts mehr.

Wie hast du die Ausgangssperre erlebt?

Es war natürlich schwer, weil ich ein Mensch bin, der gerne und viel draußen ist. Aber ich habe es gut überstanden. Meine Trainingsgruppe hat mir da geholfen. Wir haben uns als Team jeden Tag zu virtuellen Trainingseinheiten verabredet. Zudem wohne ich einer WG. Da hat man sich nie alleine gefühlt.

Wie war es für dich, das erste Mal wieder draußen zu sein?

Das war super schön. Wir haben hier immer noch Beschränkungen, dürfen nur morgens von sechs bis zehn Uhr und abends von 20 bis 23 Uhr raus. Ich genieße es, wieder Laufen und Schwimmen zu gehen. Aber die Rolle benutzte ich immer noch zum Trainieren.

Wie oft warst du während der Ausgangssperre draußen?

Nur zum Einkaufen, so zweimal die Woche. Ich habe dafür nicht immer den Einkaufsmarkt gewählt, der am nächsten zu der WG liegt, um mich etwas bewegen zu können. Durch das Training konnte ich mich jeden Tag voll auspowern. Körperlich hat mir nichts gefehlt.

Eigentlich bist du ja zum Studieren in Spanien. Konntest du das in den vergangenen Wochen?

Meine Universität hat innerhalb von einem Wochenende alle Kurse umgestellt, sodass diese online stattfanden. Ich habe nun gar kein Präsenzunterricht mehr, weil nur noch die Prüfungen anstehen.

Im Triathlon kennt man dich vor allem als Guide der Para-Athletin Lena Dieter.

Ich mache das ja erst seit vergangenem Jahr, habe aber schnell gemerkt, dass es mir sehr viel Spaß macht. Das Zusammenspiel zwischen Lena und mir hat auch gleich sehr gut funktioniert. Wir sind schon seit Jahren befreundet, haben viel zusammen trainiert. Es ist schön, dass es sich nun ergeben hat, dass ich ihr Guide bin. Ich gehe mein Training nun viel gezielter an, da mich die Arbeit als Guide für Lena sehr motiviert und ich ja auch eine verantwortungsvolle Aufgabe habe. Ich will Lena natürlich nicht enttäuschen.


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