Mein schönstes Triathlon-Erlebnis: Nils Arnecke

28.05.2020 09:51 von Thorsten Eisenhofer

Ich lief von Restaurant zu Restaurant, von Café zu Café. Überall fragte ich nach einer Flasche Cola. Was nicht ganz einfach war. Schließlich war ich in Frankreich. Und mein Französisch ist nicht besonders gut. Immerhin verstand ich irgendwann, dass sie zwar Cola hätten. Aber nicht in Flaschen, sondern nur in Gläsern. Ich gab nicht auf und suchte weiter. Irgendwann hatte ich doch noch Erfolg und erstand eine Flasche Cola – wenn auch nur eine kleine.

Was tut man nicht alles, um einen Freund zu unterstützen, der gerade ein Langdistanzrennen absolviert und gerne eine Flasche Cola hätte - an den Verpflegungsstellen gab es nur noch warme Cola.

Ich habe den Ironman Vichy 2016 natürlich auch wegen meines eigenen Rennens am Vortrag über die Mitteldistanz in Erinnerung. Es war immerhin meine erste Mitteldistanz, ich war nach dem Radfahren auf Platz 27 in der Gesamtwertung, belegte am Ende Rang 100. Ich habe den Ironman Vichy 2016 aber vor allem wegen der Erlebnisse rund um das Rennen in Erinnerung. Und darin spielen zwischenmenschliche Beziehungen und das menschliche Miteinander eine große Rolle.

Ich war damals noch Student. Meine Freundin Sandra und ich verbanden mit dem Wettkampf einen Kurzurlaub. Fahrt von Bayreuth im Vereinsbus (leider nur mit halbwegs funktionierender Klimaanlage) nach Frankreich, Übernachten auf einem tollen Campingplatz direkt am Wettkampfgelände, Rückreise mit Zwischenstopp im Europapark. In Vichy trafen wir auf meinen damaligen Studien- und Vereinskollegen Torben und seine Frau Susanne. Torben hatte sich das Rennen ausgesucht, um über die Langdistanz die Hawaii-Qualifikation anzugehen. Mich hatte er animiert, in Vichy über die Mitteldistanz zu starten. Ich ließ mich gerne animieren. Ich fand: So ein Rennen im Ausland hatte ein ganz anderes Flair als ein Wettkampf irgendwo in Bayern.

So ein Erlebnis, zwei, drei Tage zusammen in einem fremden Land (die drei anderen sprachen in etwa genauso gut französisch wie ich) schweißt zusammen. Man kocht gemeinsam, besichtigt die Strecke gemeinsam, erlebt einiges gemeinsam. Es hatte etwas von Urlaubsflair. Urlaubsflair, obwohl wir ja nicht zum Urlauben dort waren. Es ist jedenfalls etwas ganz anders, als gemeinsam in der Liga in Bayern zu starten.

Und ich finde, es ist eine schöne Sache unter Freunden sich gegenseitig im Rennen zu unterstützen. Es war an jenem Wochenende heiß. Sehr heiß. Vor allem beim abschließenden Halbmarathon. Nachdem Sandra recht erfolglos versucht hatte, mir Wasser aus einem Kanister zur Kühlung überzukippen – ich bekam den Kanister an den Kopf, aber nicht wirklich Wasser ab -, übernahm Torben diese Aufgabe. Er unterstützte mich den ganzen Tag über, lief rund 20.000 Schritte - was natürlich nicht unbedingt eine optimale Vorbereitung auf sein Langdistanzrennen am Folgetag war. Torben, ich hoffe, du hast die Qualifikation für Hawaii nicht deshalb verpasst, weil du mich so engagiert unterstützt hast.

Du hast auch ein schönstes Triathlon-Erlebnis? Einen Moment, der dich für immer mit der Sportart verbindet? Egal, ob du diesen im Training, im Wettkampf, auf Reisen oder als Zuschauer erlebt hast, sende uns eine E-Mail an medien@dtu-info.de - und vielleicht erscheint hier schon bald deine Geschichte.


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