Vom Bewegungsmuffel und Computer-Nerd zum Triathleten

12.11.2020 11:57 von Thorsten Eisenhofer

Silvio Glöckner freute sich auf die Alpen-Wanderung mit ehemaligen Schulfreunden über Christi Himmelfahrt 2008. Ihm war bewusst, dass ein paar Kilogramm weniger Körpergewicht die Wanderung zu einem etwas größeren Vergnügen machen würden - auch wenn keiner seiner Mitwanderer bis dahin durch besondere Ausdauer beim Wandern aufgefallen war. Dass die Mehrtagestour jedoch zu solch einer Tortur werden würde, hatte er nicht gedacht. Er hechelte von Beginn an hinterher, vor allem wenn es bergauf ging. „Wie schwer mir es fiel, einigermaßen mitzuhalten, das war schon sehr erschreckend“, sagt Silvio. Und dann sagt er noch diesen einen Satz, der seinem Leben die entscheidende Wendung gab: „Die Wanderung hat mich wachgerüttelt.“

Silvio, 110 Kilogramm schwer und Raucher, setzte sich zum Ziel: Im kommenden Jahr schnauft er bei der Wanderung über Christi Himmelfahrt nicht mehr hinterher. Im kommenden Jahr stiefelt er bei der Wanderung über Christi Himmelfahrt vorneweg.

Silvio war als Kind und Jugendlicher nicht der Supersportler gewesen. Aber auch nicht total unsportlich. Erst im Studium nahm er zu, ohne es – so sagt er – wirklich wahrzunehmen. Für seine Gewichtszunahme gab es einen Grund: Faulheit. Schlicht und einfach Faulheit. Er saß am liebsten vor dem Computer, als Informatiker ist das seine Leidenschaft. Bewegt hat er sich nur wenig. Und mit viel Fastfood und vielen Süßigkeiten hat er sich auch nicht unbedingt besonders gesund ernährt. Erste körperliche Problemchen stellten sich mit Anfang 30 ein.

Doch das ist Vergangenheit. Weil es Silvio schaffte, sich wachrütteln zu lassen. Und weil er sich nicht nur kurz wachrütteln ließ – um in dem Bild zu bleiben -, sondern wach blieb. Seit jenem Tag 2008, als er sich zum Ziel setzte, abzunehmen.

Im Internet kaufte er sich ein gebrauchtes Rennrad und begann, sich sportlich zu betätigen. Mehrmals die Woche. Anfangs für etwa eine Stunde pro Einheit. Später länger. So wurde aus Silvio, dem Fastfood essenden Computer-Nerd, innerhalb kurzer Zeit Silvio, der sportlich aktive und immer weiter abnehmende Freizeitsportler. „Mir ist die Umstellung nicht schwer gefallen“, sagt Silvio. Zwei Faktoren begünstigten dies: der Spaß, den er am Sport hatte. Und der Erfolg, der sich vor allem mit Blick auf die Waage einstellte. Ein Erfolg, der natürlich ganz eng mit Disziplin beim Essen geknüpft war.

Und so passierte, was oftmals mit Menschen in Silvios Situation passiert. Auf den ersten Blick kommt nur Sport als neues Hobby dazu. Auf den zweiten Blick aber ändert sich einiges im Leben: gesunderer Ernährungsstil, der zusammen mit dem Sport für ein besseres Wohlbefinden sorgt. Ein besseres Wohlbefinden macht aktiver und selbstbewusster. Und weil der Mensch ein geselliges Wesen ist, sucht man sich Gleichgesinnte zum Sporttreiben. So war das auch bei Silvio. „Mein Leben habe ich innerhalb von ein paar Jahren völlig auf den Kopf gestellt. Sport erfüllt mein Leben. Ich habe einfach gemerkt, wie viel Spaß ich daran habe, mich zu bewegen und wie gerne ich draußen bin.“

Über Freunde fand er, der längst jedes zweite Wochenende im Jahr sportlich unterwegs war, zu einem Triathlonverein – und damit zum Triathlon. Beim Moritzburger Schloss-Triathlon startete er 2012 zum ersten Mal in einem Ausdauerdreikampf. Da war die Liebe zum Triathlon längst entflammt.

Mit der Zeit folgten mehr Starts in Wettkämpfen, auch über längere Strecken. 2016 stand dann die erste Langdistanz an, beim DATEV Challenge Roth. Doch zwei Wochen vor dem Wettbewerb saß er heulend im Wald. Er war beim letzten langen Trainingslauf umgeknickt. Anstatt in Roth erfüllte er sich dann sechs Wochen später beim KnappenMan seinen Traum von der ersten gefinishten Langdistanz. Seitdem träumt er von der Qualifikation für das Rennen aller Rennen auf der Langdistanz, die Ironman-WM auf Hawaii. „Dafür bin ich aber beruflich noch zu sehr eingespannt und muss mich noch ein paar Jahre gedulden“, sagt Silvio.

Für den 41-Jähirgen, der vor rund zwölf Jahren nur unter größten Anstrengungen einen Berg hochkraxeln konnte, wäre das natürlich das i-Tüpfelchen auf seine Wandlung. Aber auch so kann er stolz auf diese Wandlung sein. „Diese Faulheit, dieses Nicht-Bewegen-wollen, das muss sich so langsam eingeschlichen haben. Ich habe mir jedenfalls nie Gedanken gemacht, was ich ändern könnte“, sagt er. Doch zum Glück kamen dann jene Tage um Christi Himmelfahrt 2008 in den Alpen. Tage, die ihn quasi zu seinem (neuen) Glück zwangen.

Du hast auch eine tolle, spannende oder witzige Geschichte zu erzählen, wie du zum Triathlon gekommen bist? Oder Verletzungen/Krankheiten oder besondere Momente/Ereignisse haben dich erst recht angespornt, (weiter) aktiv zu sein? Dann schreibe uns eine E-Mail an medien@dtu-info.de. Und vielleicht erscheint hier bald deine Geschichte.


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