Mein Lieblings-Triathlonfoto: Noelle Werner

21.10.2020 10:16 von Thorsten Eisenhofer

Auf den letzten Metern beim Bundesliga-Rennen in Berlin im August 2019 habe ich gemerkt, dass eine Athletin den Rückstand auf mich immer weiter verringert. Ich habe nicht gewusst, wer es ist, mich nicht umgeblickt. Als diese Athletin schon fast neben mir war, streckte sie ihre linke Hand in die Richtung meiner rechten Hand. Das hat mich im ersten Augenblick verwirrt. Ich habe mich gefragt, was das soll, nicht verstanden, warum sie das macht. Dann habe ich gesehen, dass die Athletin neben mir Sophie Rohr ist.

Sophie und ich starten in der Bundesliga für die gleiche Mannschaft, das ProAthletes KTT 01. Es ging in diesem Moment also nicht mehr darum, wer von uns zuerst die Ziellinie überquert. Es war egal, ob ich einen Platz vor Sophie oder einen Platz hinter Sophie das Ziel erreiche, egal ob ich 15. oder 16. werde. Es würde am Ergebnis unseres Teams nichts ändern. Es ging also nicht um die Platzierung. Es ging vielmehr um die Geste.

Also habe ich meine rechte Hand ausgestreckt und damit Sophies linke Hand gegriffen. Wir sind die letzten Meter etwas langsamer gelaufen und haben Hand-in-Hand die Ziellinie überquert. Es war ein außergewöhnlicher Moment. Ein außergewöhnlicher Moment, weil in der Einzelsportart Triathlon das Team, das Miteinander im Vordergrund stand. Solche Momente sind selten. Und es ist schön, wenn man sie dann so genießen kann, wie Sophie und ich das in diesem Moment konnten. In einem nicht alltäglichen Rennen, das vor dem Olympiastadion in Berlin endet.

Das Klatschen der Zuschauer wurde lauter als wir die Ziellinie vor jenem Olympiastadion überquert haben. Sie haben uns jetzt nicht wie Popstars gefeiert. Aber ich glaube, dass die Zuschauer die Geste verstanden, die Besonderheit des Augenblicks gespürt haben. Und dies durch ihr verstärktes Klatschen zum Ausdruck gebracht haben.

Ein Rennen, zwei Momente

Das Rennen in Berlin war für mich auch deshalb so besonders, weil ich in diesem Wettkampf nicht nur einen, sondern zwei außergewöhnliche Momente erlebt habe. Der eine war jener Zieleinlauf. Der andere außergewöhnliche Moment ereignete sich rund drei Minuten zuvor. Als ich den Hügel auf der Laufstrecke zum zweiten Mal hochlief, war ich echt am Limit, obwohl mir Anstiege eigentlich liegen. Nur 30 Meter vor mir lief eine Konkurrentin. Aber ich war mir sicher, dass ich sie auf den letzten rund 800 Metern nicht mehr einholen würde. Sehr sicher.

An dem Anstieg stand Christian Weimer. Christian trainiert in Saarbrücken am Bundesstützpunkt die Topathleten, seit vergangenem November auch mich. Zu dem Zeitpunkt des Rennens in Berlin war es für mich noch ein Traum, bei ihm trainieren zu dürfen. Das wollte ich vor allem deshalb schaffen, weil Christian schon ein Triathlon-Talent in mir gesehen hat, als ich mir noch gar nicht vorstellen konnte, mal Triathletin zu werden. Ich war echt baff, dass mich so ein angesehener Trainer aus dem Triathlon immer wieder ansprach. Mich, die junge Schwimmerin. Ich habe mich damals natürlich darüber gefreut. Aber ich habe mir wenig Gedanken darüber gemacht. Nachdem ich dann Triathletin war, wollte ich es allerdings unbedingt schaffen, mal von ihm gecoacht zu werden.

Nun stand Christian Weimer an diesem Hügel und pushte mich. Ich war ein wenig überrascht, dass er mich anfeuerte. Ich weiß auch nicht mehr, was er gerufen hat. Ich weiß nur noch, dass es geholfen hat. Obwohl ich am Limit war, konnte ich nochmal beschleunigen und mich noch um einen Rang nach vorne schieben. Ohne Christians Pushen hätte mich Sophie vermutlich schon weit vor dem Ziel eingeholt – und es hätte niemals diesen tollen gemeinsamen Zieleinlauf gegeben.

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