"Es klang ein bisschen wie im Science-Fiction-Film"

08.09.2020 12:53 von Thorsten Eisenhofer

Lasse Lührs (Alicante) hat am Wochenende bei der WM in Hamburg mit Rang zwölf das beste Weltmeisterschaftsergebnis seiner Karriere erreicht. Wir haben mit ihm über eine doppelte Premiere, „spanische“ Science-Fiction-Filme und Wettkämpfe in besonderen Zeiten gesprochen.

Lasse, Rang zwölf ist dein bisher bestes WM-Ergebnis.

Damit bin ich echt sehr zufrieden. Das passt (lacht).

Überwiegt die Freude über Platz zwölf oder ärgerst du dich auch ein bisschen, dass es nicht ganz für eine Top-Ten-Platzierung gereicht hat?

Top Ten hört sich natürlich immer gut an. Aber ich habe alles gegeben, mich im Zielsprint ja noch um einen Rang verbessert. Ich traue mir die Top Ten auf jeden Fall zu. Und es ist ein Ziel, das mir nicht wegläuft, das ich noch schaffen will.

Also war Rang zwölf ein weiterer kleiner Schritt Richtung Weltspitze?

Ja genau, ich bin auf dem richtigen Weg. Rang zwölf war ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

Zudem durftest du erstmals im Elitebereich im Mixed Relay für Deutschland starten.

Ich war sehr glücklich, dass ich endlich auch mal in der Staffel zeigen konnte, was ich drauf habe. Ich hatte richtig Bock auf das Rennen.

Wie hat es sich nach so langer Wettkampfpause angefühlt, wieder ein Rennen zu bestreiten?

Es hat sich natürlich komisch angefühlt, nach so langer Zeit wieder einen Wettkampf machen zu können - und dann gleich noch eine WM. Es war so vieles anders: Das Fehlen der Zuschauer, die Hygieneauflagen mit dem Tragen der Masken. Es war schon eine eigenartige Situation. Aber ich habe mich gut auf das Rennen vorbereitet, wir haben viele kleinere Triathlons im Training gemacht. Ein Wettkampf im Training ist natürlich nochmal etwas anderes als eine Weltmeisterschaft gegen die besten der Welt. Aber es hat mir im Hinblick auf die Rennen in Hamburg geholfen und ich habe mich gut vorbereitet gefühlt.

Du hast also keine Unsicherheit gespürt?

Nein. Natürlich startet man normalerweise nicht mit einer WM, sondern mit kleineren Wettkämpfen, um in die Saison reinzufinden. Es war dieses Jahr schon etwas anders. Aber den anderen Athleten ging es ja genauso. Und meine Trainingsergebnisse haben mich zuversichtlich gestimmt.

Für dich sind die Rennen in Hamburg immer etwas Besonderes.

Stimmt. Meine Heimat ist nur rund eineinhalb Stunden Autofahrt von Hamburg entfernt, ich bin meistens vor dem Rennen eine Woche zu Hause. Zudem wohnt meine Schwester in Hamburg. Eine gewisse Verbindung zu der Stadt habe ich schon. Es ist immer cool und etwas Besonderes, dort zu starten.

Die meiste Zeit des Jahres verbringst du normalerweise in Spanien. Wie hast du die vergangenen Wochen dort erlebt?

Sobald der Alarm-Status in Spanien beendet war, bin ich wieder rüber geflogen, um mit meiner Trainingsgruppe zu trainieren. Ich war dann rund zehn Wochen dort. Da die Situation sich dort in den vergangenen Wochen wieder verschlechtert hat, bin ich in Absprache mit unserem Verbandsarzt Casper Grim schon über eine Woche vor dem Wettkampf nach Deutschland geflogen. Ich wollte nicht riskieren, dass ich nicht mehr einreisen darf.

Wie hast du die Situation in Spanien erlebt?

Zu dem Zeitpunkt, an dem ich wieder dort war, war alles wieder normal und wir konnten wie gewohnt trainieren. Was meine Trainingskollegen erzählt haben, war aber schon erschreckend und klang ein bisschen wie aus Science-Fiction-Filmen. Die haben sich zum Teil gar nicht mehr auf die Straße getraut. Das war schon heftig.

Wie haben sie in dieser Zeit trainiert?

Anfangs nur auf der Rolle. Der eine oder andere konnte sich noch ein Laufband besorgen, denn so etwas hat man ja nicht unbedingt zu Hause. Die Athleten, die keines haben, haben über Wochen nur auf dem Rad trainiert und Athletik gemacht. Vor die Tür sind sie höchstens einmal am Tag zum Einkaufen gegangen. Für einige von ihnen war es nicht einfach, die Motivation aufrecht zu halten. Da hatten wir es in Deutschland auf jeden Fall deutlich besser.


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