Para Triathlon - Klassifizierung und Startklassen

Im Sport für Menschen mit Behinderung werden Athletinnen und Athleten in sogenannte Startklassen eingestuft, um im Wettkampf Chancengleichheit herzustellen und zu vermeiden, dass immer derjenige gewinnt, der die geringsten Einschränkungen hat. Diesen Vorgang nennt man Klassifizierung.

Alle Para Triathleten, die an nationalen Meisterschaften teilnehmen möchten, müssen zuvor klassifiziert werden. Während der Klassifizierung durchläuft ein Para Triathlet/eine Para Triathletin verschiedene Tests, beispielsweise Muskelfunktionstests und triathlonspezifische Techniktests, bei dem ihm jeweils ein Punktwert zugeordnet wird. Der Gesamtpunktwert entscheidet darüber, in welche Startklasse die/der Sportler/in eingeordnet wird. Eine Tabelle weiter unten auf der Seite gibt einen Überblick über die verschiedenen Behinderungen/Bewegungseinschränkungen.

In der Sportordnung der DTU im Abschnitt 21 "Para Triathlon" wird genauer beschrieben, wie die Klassifizierung von statten geht.

Mit der Sportordnung 2018 hat die DTU das Startklassen-System der ITU übernommen, so dass es ab sofort neun Startklassen gibt. Para Triathleten, die in 2018 an nationalen Meisterschaften teilnehmen möchten und 2017 nicht international klassifiziert worden sind, müssen 2018 neu klassifiziert werden. Bei den Deutschen Meisterschaften wird es dazu Möglichkeiten geben.


Para-Triathlon-Startklassen gemäß DTU-Sportordnung

PTWC1: Handbike/ Rennrollstuhl

In dieser Klasse starten Athleten mit Bewegungseinschränkungen und Behinderungen, die dazu führen, dass ein konventionelles Fahrrad nicht sicher gefahren werden kann. Als Ursache können beispielsweise eingeschränkte Muskelkraft, Gliedmaßenverlust, Hypertonie, Ataxie oder auch Atheose sein. In dieser Klasse müssen ein Liege-Handbike (recumbent handcycle) und einen Rennrollstuhl verwendet werden (max. 463 Punkte).

PTWC2: Handbike/ Rennrollstuhl

Wie auch in der PTWC1 können Athleten in dieser Startklasse ein konventionelles Fahrrad nicht sicher fahren, jedoch sind die Bewegungseinschränkungen nicht so stark wie in der PTWC1. Als Ursache können beispielsweise eingeschränkte Muskelkraft, Gliedmaßenverlust, Hypertonie, Ataxie oder auch Atheose sein. Athleten dieser Startklasse müssen ein Liege-Handbike (recumbent handcycle) und einen Rennrollstuhl verwenden (max. 640 Punkten).

 

PTS2: Schwerwiegende Bewegungseinschränkungen

In dieser Klasse starten Athleten mit Bewegungseinschränkungen und Behinderungen wie beispielsweise Gliedmaßenverlust(en), Hypertonie, Ataxie oder Atheose. Die Athleten nutzen Prothesen oder ähnliche unterstützende Hilfsmittel auf der Radstrecke und in der Laufdisziplin. Die Verwendung von Handbike/ Rennrollstuhl ist nicht erlaubt (max. 909,9 Punkte).

 

 

PTS3: Erhebliche Bewegungseinschränkungen

In dieser Klasse starten Athleten und Athletinnen mit Bewegungseinschränkungen und Behinderungen wie beispielsweise  Gliedmaßenverlust(en), Hypertonie, Ataxie oder Atheose. Die Athletinnen und Athleten nutzen Prothesen oder ähnliche Hilfsmittel auf der Radstrecke und in der Laufdisziplin. Die Verwendung von Handbike/ Rennrollstuhl ist nicht erlaubt (910-979,9 Punkte).

 

PTS4: Mäßige Bewegungseinschränkungen

In dieser Klasse starten Athleten mit Bewegungseinschränkungen und Behinderungen wie beispielsweise Gliedmaßenverlust(en), Hypertonie, Ataxie oder Atheose mit einer Gesamtpunktzahl zwischen 980 und 1091,9 bei der Klassifizierung. Die Athletinnen und Athleten nutzen Prothesen oder ähnliche Hilfsmittel auf der Radstrecke und beim Laufen. Die Verwendung von Handbike/ Rennrollstuhl ist nicht erlaubt.

 

PTS5: leichte Bewegungseinschränkungen

In dieser Klasse starten Athleten mit Bewegungseinschränkungen und Behinderungen wie beispielsweise Gliedmaßenverlust(en), Hypertonie, Ataxie oder Atheose mit einer Gesamtpunktzahl zwischen 1092 und 1211,9 bei der Klassifizierung. Die Athletinnen und Athleten nutzen Prothesen oder ähnliche Hilfsmittel auf der Radstrecke und beim Laufen. Die Verwendung von Handbike/ Rennrollstuhl ist nicht erlaubt.

 

PTVI1: Vollständige Erblindung (IBSA/IPC B1)

Benutzung eines Tandems verpflichtend. Es ist ein Guide während des gesamten Rennens obligatorisch. PTVI 1 Athleten müssen während des gesamten Rennens eine verdunkelte Brille
tragen.

PTVI2: Starke Sehbehinderung (IBSA/IPC B2)

Benutzung eines Tandems verpflichtend. Es ist ein Guide während des gesamten Rennens obligatorisch.

PTVI3: schwache oder teilweise Sehbehinderung (IBSA/IPC B3)

Benutzung eines Tandems verpflichtend. Es ist ein Guide während des gesamten Rennens obligatorisch.

Für alle PTVI Athleten ist ein Begleiter (Guide/ Pilot) desselben Geschlechts und derselben Nation verpflichtend. Dieser darf während des Wettkampfes nicht gewechselt werden. PTVI Athletinnen und Athleten werden im Rennen gemeinsam gewertet. Diejenigen in der Startklasse PTVI1 bekommen einen zeitlichen Vorsprung beim Schwimmen.

Persönliche Helfer (Paratriathlon Handlers):

Para Triathleten stehen in Abhängigkeit der jeweiligen Startklasse Helfer zu, die ungehinderten Zutritt zu den Wettkampfstätten haben müssen:

PTS2, PTS3, PTS4, PTS5: je ein Helfer
PTWC: zwei Helfer
PTVI: der Begleiter (Guide) übernimmt die Funktion des Helfers; ein zusätzlicher Helfer ist nicht erlaubt.
 

Akzeptierte Behinderungen/Bewegungseinschränkungen

Art der Behinderung /
Bewegungseinschränkung
Beispiele von gesundheitlichen Gründen, die zu solchen
Behinderungen/Bewegungseinschränkungen führen können.
Beeinträchtigung der Muskelkraft Rückenmarksverletzung, muskuläre Dystrophie, Verletzungen des
Brachial-Plexus, Erbsche Lähmung, Polio, Spina bifida, Guillain-
Barré-Syndrom.
Eingeschränkte passive Bewegbarkeit Ankylose (Gelenksteife), Gelenkkontrakturen; nicht jedoch
Hypermobilität der Gelenke.
Gliedmaßenverlust Amputation nach Unfall oder von Geburt an sowie angeborene
Fehlbildungen (Dysmelie).
Hypertonie Zerebrale Lähmungen, Verletzungen des Gehirns, Multiple
Sklerose.
Ataxie Zerebralparesen, Hirnschädigungen, Multiple Sklerose, Friedreich
Ataxie, Spinozerebelläre Ataxien (SCA) und andere
neurodegenerative Erkrankungen.
Athetose Zerebrale Lähmung, perinatale Hirnschädigung.
Sehbehinderungen  Myopia, Tunnelvision, Kalnienk-Vision, Skotom (blinder Fleck),
Retinitis pigmentosa, Glaukom (Grüner Star), Maculadegeneration
(Gelber Fleck), kongenitaler Katarakt (Grauer Star, angeboren).